UniCredit setzt die Commerzbank mit einem Übernahme-Angebot unter Zugzwang. Coba-Chefin Orlopp will sich wehren. Unterdessen entwickelt Deutsche-Bank-Chef Sewing Pläne, wie sein Institut von dem Übernahmekampf profitieren könnte. 

Im Übernahmepoker um die Commerzbank hat sich nun auch der Chef der Deutschen Bank zu Wort gemeldet. Anders als von der Politik vielleicht erhofft will Christian Sewing aber keine eigene Offerte abgeben – sondern profitieren. Sein Haus stehe bereit, von der Unruhe im Markt zu profitieren, signalisiert der Deutsche-Bank-CEO.

Sewing erklärte auf einer Konferenz, die Deutsche Bank denke in Szenarien und sei für weiteres Wachstum gut aufgestellt. „Wie immer es ausgehen wird, ich denke, dass wir in jedem Fall profitieren werden“, sagte Sewing wörtlich.

Unicredit nutzt Klausel im deutschen Übernahmegesetz

UniCredit hatte am Montag ein Übernahmeangebot in eigenen Aktien angekündigt. Die Möglichkeit dazu hatte die Bank erst seit 22. Februar, nachdem eine entsprechende Frist im deutschen Übernahmegesetz abgelaufen war. Dort erlaubt eine Regelung, dass ein Käufer den Erwerb vollständig mit eigenen Aktien bezahlen darf, wenn er in den sechs Monaten vor der Übernahme nicht mehr als fünf Prozent der Aktien oder Stimmrechte der Zielgesellschaft in bar gekauft hat.

Da Unicredit zuletzt im August 2025 eine nennenswerte Position von Commerzbank-Aktien gegen Zahlung einer Geldleistung erworben hatte, lief dieser Zeitraum im Februar aus. Derzeit hält Unicredit direkt 26 Prozent an dem Frankfurter Institut sowie den Zugriff auf weitere knapp vier Prozent über Finanzinstrumente. Ab einer Beteiligung von 30 Prozent ist ein Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre gesetzlich vorgeschrieben.

Der Bund, mit rund zwölf Prozent zweitgrößter Aktionär der Commerzbank, lehnt eine Übernahme ab. Auch der Commerzbank-Vorstand hatte sich immer wieder ablehnend geäußert. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp betonte am Wochenende erneut die Eigenständigkeit ihrer Bank betont. Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte Orlopp: „Größe allein ist kein Wert." Die unmittelbare Folge eines Zusammenschlusses wäre, dass sich eine größere Zahl von Firmenkunden eine neue Bank suchen würden. „Weil es ein Klumpenrisiko darstellt, wenn man zu viel Geschäft über eine einzelne Bank abwickelt.“ Genau darauf scheint Sewing zu spekulieren.

Commerzbank lehnt ab, Unicredit lädt ein

Die Commerzbank-Chefin wertet den Vorstoß der Italiener bisher als eher taktischen Zug. Dafür spräche, dass der Aufschlag auf den Börsenkurs eher überschaubar ausfällt: Mit umgerechnet 30,80 Euro liege der Angebotspreis von 30,80 Euro deutlich unter dem durchschnittlichen Kursziel der Analysten für die Commerzbank-Aktie, das sich bei 37 Euro bewegt, und nur vier Prozent über dem Schlusskurs am Freitag, vor der Offerte.

UniCredit-Chef Andrea Orcel wiederholte unterdessen sein Angebot für Gespräche. Sein Ziel sei ein konstruktiver Dialog „von Angesicht zu Angesicht“ mit allen Beteiligten, sagte Orcel auf einer Finanzkonferenz von Morgan Stanley. Dafür sei nun ein Zeitfenster von zwölf Wochen geschaffen worden. Das Angebot gelte für 100 Prozent an der Commerzbank, er sei aber auch für andere Szenarien offen. „Wie auch immer es ausgeht, es wird eine Win-Win-Situation sein“, zeigte sich der Unicredit-Chef überzeugt.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Coba-Aktie zieht an – Analysten reagieren nüchtern

An der Börse kommt Bewegung in die Sache: Seit Bekanntwerden der Offerte legte die Commerzbank-Aktie um rund 14 Prozent zu und notierte mittlerweile mit 33,71 Euro fast drei Euro über dem Angebotspreis. Barclays beließ die Einstufung der Aktie auf „Halten“ mit Kursziel 36 Euro.

Dagegen kam die Deutsche Bank seit Wochenbeginn um rund 3,5 Prozent voran, verlor dann aber am Mittwoch wieder deutlich. Auch die Papiere von Unicredit notieren nur geringfügig höher als am Tag vor der Offerte.

Deutsche Bank (WKN: 514000)

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Häufige Fragen zum Thema

Wieviel bietet Unicredit für die Commerzbank?

Unicredit bietet umgerechnet 30,80 Euro, zahlbar in eigenen Aktien. Bisher ist keine Barkomponente vorgesehen.

Warum wehrt sich die Commerzbank gegen die Übernahme?

Die Commerzbank verweist auf die Vorteie ihre Eigenständigkeit und ihre Bedeutung für die Finanzierung des deutschen Mittelstands. Außerdem hält sie das Angebot, das nur vier Prozent über dem Schlusskurs vom vergangene Freitag liegt (13.3.2026), für zu gering.

Wie urteilt die Börse?

Der Kurs der Commerzbank-Aktie ist mittlerweile weit über den Angebotspreis hinaus gestiegen (Stand 18.3.2026). Offenbar rechnen die Börsianer mit einer Anhebung der Offerte oder sogar mit einem Gegenangebot.  

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.