Hohe Dividendenrenditen wirken verlockend, doch nicht jede Ausschüttung ist sicher. Bei diesen drei beliebten Aktien könnte der Druck auf die Dividende in den nächsten Jahren steigen.

Für viele Investoren ist die Dividende ein zentrales Anlagekriterium. Gerade Aktien mit einer hohen Dividendenrendite wirken auf den ersten Blick attraktiv: Sie versprechen regelmäßige Ausschüttungen und können das Depot stabilisieren.

Doch eine Dividendenzahlung ist keineswegs garantiert. Sie ist eine freiwillige Zahlung des Unternehmens an seine Aktionäre und kann jederzeit gekürzt oder sogar komplett gestrichen werden. Gründe dafür gibt es viele: Ein Unternehmen benötigt Kapital für eine große Übernahme, will seine Bilanz stärken oder gerät operativ unter Druck.

In diesem Artikel werfen wir deshalb einen Blick auf drei beliebte Dividendenaktien, bei denen das Risiko einer Dividendenkürzung in den nächsten Jahren erhöht sein könnte.

BASF

Der Chemieriese musste die Dividende bereits 2024 kürzen, und es ist keinesfalls ausgeschlossen, dass es in den nächsten Jahren erneut zu Anpassungen kommt. Allerdings hat das Management bereits angekündigt, von 2025 bis 2028 insgesamt zwölf Milliarden Euro in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an seine Aktionäre auszuschütten. Das entspricht im Schnitt drei Milliarden Euro pro Jahr.

Das Problem ist jedoch, dass der Free Cashflow – also die Barmittel, die das Unternehmen nach allen Kosten und Investitionen erwirtschaftet – vermutlich deutlich unter diesem Wert liegen werden. 2025 betrug der Free Cashflow bei 1,3 Milliarden Euro, für 2026 soll er laut Unternehmensprognose voraussichtlich zwischen 1,5 und 2,3 Milliarden Euro erreichen. Damit erwirtschaftet das Unternehmen deutlich weniger freie Barmittel als es an Dividende ausschüttet.

Grund dafür ist, dass BASF operativ weiterhin mit rückläufigen Umsätzen infolge einer schwächeren Chemienachfrage, steigender Konkurrenz aus China und hohen Energiekosten in Europa zu kämpfen hat. Durch das vom Management ausgegebene Ziel von zwölf Milliarden Euro Ausschüttung bis 2028 ist zumindest bis dahin nicht zwingend mit einer deutlichen Reduzierung zu rechnen. Entscheidend bleibt aber, ob sich das operative Geschäft in den nächsten Jahren spürbar erholt. Denn BASF lebt bei der Dividende jetzt schon von der Substanz.

Enbridge

Auch bei Enbridge sollten Anleger die operative Entwicklung genau im Blick behalten, um nicht eines Tages von einer unerwarteten Dividendenkürzung überrascht zu werden. Der kanadische Pipelinekonzern zählt zwar zu den zuverlässigsten Dividendenzahlern überhaupt: Die Dividende soll 2026 bereits das 31. Jahr in Folge steigen.

Das Problem ist jedoch, dass die Ausschüttung immer schlechter durch den Free Cashflow gedeckt ist. In den vergangenen zwölf Monaten zahlte Enbridge rund 8,3 Milliarden kanadische Dollar an Dividenden aus, erwirtschaftete aber nur einen Free Cashflow von rund 1,87 Milliarden kanadischen Dollar – nicht mal ein Viertel.

Hinzu kommt, dass die Schuldenlast und damit auch die Zinskosten immer weiter steigen. In den vergangenen zwölf Monaten lag die Nettoneuverschuldung bei rund 8,75 Milliarden kanadischen Dollar – also sogar etwas höher als die Dividendenzahlungen von 8,3 Milliarden kanadischen Dollar. Vereinfacht gesagt nimmt das Unternehmen neue Schulden auf, um die Dividendenzahlungen zu finanzieren.

Kurzfristig dürfte Enbridge wegen seiner langen Dividendenhistorie alles daransetzen, die Ausschüttung stabil zu halten. Mittel- bis langfristig sollten Anleger aber genau beobachten, ob der Free Cashflow wieder ansteigt – sonst die Zahlungssicherheit der Dividende gefährdet sein.

Volkswagen

Auch beim Wolfsburger Autokonzern bedroht die durchwachsene operative Entwicklung die mittelfristige Stabilität der Dividende. Sowohl 2024 als auch 2025 lag der Free Cashflow nahe Null - bevor VW Ende 2025 durch einen Bilanzkniff plötzlich noch sechs Milliarden Euro auftrieb. So konnten dennoch Dividenden in Höhe von 4,5 beziehungsweise 5,8 Milliarden Euro ausgeschüttet werden.

Kurzfristig dürfte Volkswagen die Dividende dank der hohen Cash-Reserven von fast 39 Milliarden Euro zwar weiterhin stemmen können. Mittelfristig muss sich die Lage jedoch deutlich verbessern, damit die Ausschüttung dauerhaft tragfähig bleibt und der Konzern nicht stärker unter finanziellen Druck gerät.

Die größten Belastungsfaktoren sind aktuell der hohe Wettbewerbsdruck aus China, die US-Zölle sowie der weiterhin hohe Investitionsbedarf. Anleger sollten daher genau beobachten, ob Volkswagen den Free Cashflow in den kommenden Jahren wieder nachhaltig steigern kann. Stabilisierend wirkt für Anleger, dass die VW-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch selbst auf hohe, regelmäßige Auschüttungen angewiesen sind. 

Fazit

Eine hohe Dividendenrendite allein macht eine Aktie noch nicht attraktiv. Anleger sollten bei der Auswahl von Dividendenaktien vor allem darauf achten, wie sich das operative Geschäft entwickelt und ob die Dividende durch den Free Cashflow gedeckt ist. Denn wenn Umsatz, Margen oder Barmittelzuflüsse dauerhaft unter Druck geraten, kann auch eine lange Dividendenhistorie schnell an Bedeutung verlieren.

Eine Möglichkeit, das Risiko von Dividendenkürzungen zu reduzieren ist sein Portfolio breit zu streuen. Das können Sie zum Beispiel mit dem Globale Dividenden Stars Index von BÖRSE ONLINE, der einen breiten Korb an starken Dividendenaktien enthält.

Weiterführende Links

Häufige Fragen zum Thema

Ist eine hohe Dividendenrendite ein Gütesiegel für eine Aktie?

Nein. Eine hohe Dividendenrendite kann auch dadurch entstehen, dass der Kurs stark gefallen ist. Manche Unternehmen halten die Dividende auch künstlich hoch, obwohl sie sie eigentlich schon gar nicht mehr aus dem operativen Geschäft erwirtschaften können.

Wer legt die Höhe der Dividende fest?

Der Vorstand macht nach Abschluss des Geschäftsjahres auf Basis des erzielten Gewinns einen Gewinnverwendungsvorschlag an den Aufsichtsrat. Dieser enthält auch den Anteil für die Dividende. Ist der Aufsichtsrat einverstanden, legt er den Vorschlag den Aktionären auf der Hauptversammlunmg zur Abstimmung vor. Erst nachdem diese die Dividende beschlossen haben, wird sie ausgeschütttet.

Was ist eine gesunde Ausschüttungsquote?

Die Ausschüttungsquote ist der Anteil des Nettogewinns, der als Dividende ausgezahlt wird. Sie liegt üblicherweise zwischen 30 und 50 Prozent. Dieser Korridor gilt branchenübergreifend als gesund, da er den Aktionären eine verlässliche Rendite bietet und dem Unternehmen gleichzeitig ausreichend Kapital für Investitionen lässt.